Gymnasium Donauwörth
 

Donauwörth ist Fairtrade-Stadt und hat ein Fairtrade-Gymnasium

Infokasten

Der gerechte Handel („fair trade“) setzt sich für verbindliche Standards der Produzenten vor allem in Afrika, Lateinamerika und Asien ein: garantierte Festpreise, Aufbau sozialer Strukturen, Förderung des biologischen Anbaus, uvm.

Die Fairtrade-Auszeichnung erhalten Kommunen, die sich per Stadtratsbeschluss verpflichten, im Rathaus bei Sitzungen fair gehandelten Kaffee und mindestens ein weiteres Produkt aus dem fairen Handel anzubieten. Ferner muss eine Mindestzahl an Geschäften und Gastronomie-Betrieben fair gehandelte Produkte im Sortiment haben. Darüber hinaus erklären sich Einrichtungen des öffentlichen Lebens bereit, Aktionen und Bildungsarbeit zum Fairen Handel zu machen (z. B. Aktionsverkäufe an Schulen), über die die örtliche Presse regelmäßig berichtet. Eine „Steuerungsgruppe“ vor Ort organisiert diese Aktivitäten.


Auszeichnungsfeier im Tanzhaus

 

Nun ist es offiziell: Donauwörth ist Fairtrade-Stadt, das Gynmasium der Kreisstadt Fairtrade-School. Bei einer gemeinsamen Auszeichnungsfeier im Tanzhaus sind die Titel nun durch die deutsche Niederlassung der Fairtrade-Organisation verliehen worden.

Donauwörth reiht sich somit als erste im Landkreis unter 417 andere deutsche Kommunen ein, die diese Auszeichnung erhielten, die nächsten im Umkreis sind Wertingen, Dillingen und Augsburg.

Andreas Plohmann, Sprecher der Steuerungsgruppe und Vorsitzender des Donauwörther Vereins Solidarität-für-Eine Welt e. V. begrüßte beim Festakt etwa 150 geladene Gäste und ging kurz auf den Werdegang der Fairtrade-Auszeichnung Donauwörths ein: „Es war der Eine-Welt-Verein, der anlässlich des 20jährigen Bestehens den Anstoß dazu gab. Aber wir sind dankbar, dass OB Neudert und die weiteren Verantwortlichen der Stadt sofort ein offenes Ohr für diese Idee hatten.“ Plohmann schloss mit einem Appell: „Machen wir Donauwörth noch etwas fairer, wir sind es den Menschen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und arbeiten müssen, schuldig.“

Oberbürgermeister Armin Neudert sprach in seiner Rede von einem „Abend der Hoffnung“. Er sehe Entwicklungspolitik durchaus nicht nur global, sondern auch regional. „Jeder einzelne von uns kann mit dem Einkaufswagen Politik machen“, sagte er und erhoffe sich von der heutigen Auszeichnung eine Sensibilisierung und Vorbildwirkung für jeden einzelnen, die Fairtrade-Bewegung in Donauwörth zu unterstützen. Für die Stadt sehe er einen Auftrag, auch nach dem heutigen Tag im Geist von Fairtrade weiterzumachen.

Stolz zeigte sich auch der Direktor des Donauwörther Gymnasiums, Karl Auinger, dass die Schule Fairtrade-School geworden ist, denn „wir tragen alle Verantwortung für die eine Welt“. Zu verdanken sei dies in erster Linie engagierten Schülerinnen und Schülern eines Projekt-Seminars, die zusammen mit Oberstudienrätin Andrea Hieble-Reitsam diese Kampagne ins Rollen brachten. Die Schülerinnen Lucy Wendel und Lara Sailer zeichneten den Weg zur Fairtrade-School nochmal kurz nach und berichteten, dass mittlerweile am Gymnasium eine Fair-Trade-AG als Nachfolgerin des P-Seminars gegründet wurde, was von 11 Schülern auch visuell dargestellt wurde. Der Schulleiter abschließend: „Es ist gut, dass bereits jüngere Menschen für diese Thematik sensibilisiert werden“. Das habe nachhaltige Wirkung.

Die offizielle Verleihung erfolgte durch Hannah Rühter, der Referentin von Fairtrade Deutschland mit Sitz in Köln. Sie übergab die Ernennungsurkunden an OB Armin Neudert und Direktor Karl Auinger. Hannah Rüther stellte nochmals die Kriterien vor, die für die Auszeichnung notwendig waren (siehe Infokasten!) und stellte erfreut fest, dass es für sie eine Premiere sei, Stadt und Schule in einer Kommune gleichzeitig auszeichnen zu dürfen.

Klaus Probst vom Verein Solidarität-für-Eine-Welt meinte, die Auszeichnung sei ein Teilerfolg, Ziel aber müsse sein, dass Donauwörth vom Fairtrade-Gedanken weiter durchwirkt werden müsse. Eine Aktion in diese Richtung stellte er abschließend vor: einen Etiketten-Wettbewerb für einen eigenen fair gehandelten Donauwörther Kaffee, der durch seine Optik als solcher zu erkennen sei. Die Besucher der Auszeichnungsfeier waren eingeladen, aus sechs Entwürfen drei auszuwählen, die nun im Internet für die gesamte Bevölkerung zur Abstimmung stehen. Der Sieger dieses Votings ziert dann den künftigen Donauwörther Stadtkaffee.

Musikalisch wurde die Auszeichnungsfeier umrahmt vom Holzbläser-Ensemble des Gymnasiums unter der Leitung von Christoph Keßler und vom Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde mit dessen Dirigenten Dr. Hans-Martin Linsenmeyer.

Foto: Heidi Altstetter
Text: Klaus Probst


Gymnasium Donauwörth – „Wir sind Fair Trade School“

Das P-Seminar „Slow life – Der Mensch im Mittelpunkt“ verabschiedet sich.

15 Schüler der Oberstufe versuchten in den letzten beiden Schuljahren unter dem Leitfach Religion, Alternativen zur übersteigerten Orientierung an Konsum und Leistung zu finden, die dem Einzelnen die Möglichkeit eröffnen sollten, sich in unserer modernen Leistungsgesellschaft über sein Menschsein klar zu werden.

„Slow life“ sollte also dafür stehen, den Menschen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu rücken, bedeutete aber nicht zuletzt, seinen Umgang mit den anderen bzw. seinen Beitrag für die Allgemeinheit zu hinterfragen.

Zu diesem Zwecke organisierte das P-Seminar zu verschiedenen Anlässen, wie etwa zu Elternsprechtagen oder in den Schulpausen, Fair-Trade-Aktionen. Bei derartigen Verkäufen wurden ausschließlich fair gehandelte Waren (z. B. getrocknete Früchte, Reis, Nudeln, Tee, Schokoriegel usw.) aus dem Eine-Welt-Laden in Donauwörth angeboten. Doch wie hilft zum Beispiel Schokolade gegen Ungerechtigkeit in der Welt? Dieser Frage sollte u. a. in den Klassen in kleineren Unterrichtseinheiten, die vom P-Seminar zum fairen Handel ausgearbeitet wurden, nachgegangen werden. Der jeweilige Erlös aus den Verkäufen wurde zu 100% dem Verein „Sternenkinder“ gespendet, der eine Förderschule für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung in Chile eingerichtet hat und unterhält.

Trotz des großen Aufwands (Warenabholung, Verkaufsaufbau, Kassenbericht, Spendenaktion) war es letztendlich ein gutes Gefühl, einen kleinen Beitrag für die Gerechtigkeit auf der Welt zu leisten - und es machte große Freude, dass dieses Projekt von so vielen Eltern, Schülern und Lehrer angenommen wurde.

Angespornt durch diese große Unterstützung beteiligte sich das P-Seminar schließich in diesem Schuljahr stellvertretend für das ganze Gymnasium an der Kampagne „Fairtrade-Schools“ des gemeinnützigen Vereins TransFair und strebte den Status einer „Fairtrade-School“ an.

Mit der Auszeichnung des Gymnasiums, als erster Schule im Landkreis Donau-Ries zur „Fairtrade-School“ am 14. Juni – zusammen mit der Stadt Donauwörth, die ebenfalls den Titel „Fairtrade-Town“ erhielt, sahen wir uns als P-Seminar darin bestätigt, einen „kleinen“ Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von benachteiligten Bauern- und Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika geleistet zu haben.

Diese Arbeit des P-Seminars hat nun auch schon ein neues Schulteam übernommen: Seit wenigen Monaten gibt es die AG „Fair Trade“, die aus Schülern der Unter- und Mittelstufe besteht. Diese haben bereits das Angebot der „fairen Pausenverkäufe“ übernommen und auch schon in Zusammenarbeit mit den Tutoren und der SMV die jährliche Nikolaus- und Rosenaktion durchgeführt.

Als Exponenten der „Fairtrade-School“ wollen sich die AG und das im September neu an den Start gehende P-Seminar „Fair Trade macht Schule“ - dafür einsetzen, dass an unserer Schule der Faire Handel immer ein Thema bleibt. Der Verkauf von fair gehandelten Produkten in den Pausen, aber auch von fairem Kaffee und Kakao in der Schulkantine und im Lehrerzimmer wird gleichermaßen bedeutsam sein, wie bei Aktionen und Veranstaltungen außerhalb des Unterrichts, etwa beim Sommerfest durch die Verpflegung mit Produkten aus dem fairen Handel oder auch durch die Gestaltung von „fairen“ Geschenktüten für die Referenten beim jährlich stattfindenden Berufsforum für die 11. Klassen, mitzuwirken.

Nicht zuletzt aber stehen– in Zusammenarbeit mit Donauwörth als „Fairtrade-Town“ - weitere gemeinsame Projekte auf dem Plan, um den Gedanken des Fairen Handels weiterhin ins Blickfeld der Menschen zu rücken.

Danke für die große Unterstützung!

A. Hieble-Reitsam


 

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