Humanistisches, Sprachliches, Naturwissenschaftlich-technologisches, Wirtschaftswissenschaftliches Gymnasium (HG, SG, NTG, WWG)

Das erste Diwali-Fest

von Ida Eberle (6. Jgst.)

Das zwölf Jahre alte Mädchen Sahi kam vor wenigen Tagen im SOS Kinderdorf in Chennai, einer Stadt in Indien, an. Sie wurde von einer Pflegemutter unter einer Brücke, ganz alleine und hilflos, gefunden. Sie beschloss, dass arme Mädchen mit in das Kinderdorf zu nehmen und ihr dort ein neues zu Hause zu schenken. Sahi war zwar noch sehr mager und schüchtern, fühlte sich aber schnell wohl. Sie wurde in einem Haus, in dem sechs andere Kinder und die Kinderdorf-Mutter Daka lebten, untergebracht. Das Mädchen fand schnell Freunde und erholte sich auch wieder. Sahi lebte gerade drei Wochen in dem Dorf und war schon sehr aufgeregt, weil am nächsten Tag das Diwali Fest war. Ganz gespannt fragte Sahi Daka: „Was müssen wir morgen alles vorbereiten?“ „Wir müssen die Hausarbeiten erledigen und die Spinnennetze entfernen, damit das Böse nicht im Haus bleibt. Außerdem backen wir Süßigkeiten“, erklärte Daka. Als Sahi das Wort Süßigkeiten hörte, freute sie sich noch mehr auf das Fest. Am nächsten Tag begannen die Vorbereitungen schon früh am Morgen. Einige Kinder halfen beim Saubermachen und andere beim Backen. Dort war Sahi natürlich dabei und hatte auch schon ihren Favoriten gefunden: Es war das salzige Gebäck. Als am Abend alle wieder in ihren Häusern waren, verkündete Daka: „Heute gehen wir alle früher ins Bett, damit wir morgen ausgeschlafen sind und den Tag genießen können.“ Das fand Sahi überhaupt nicht schlimm, sie freute sich einfach, ihr erstes richtiges Diwali Fest zu feiern. Am Morgen des Festtages fragte sie ihre neue Freundin Aastha: „Was machen wir als Erstes?“ „Zuerst gehen wir in den Gebetsraum, wo ich das erste Mal das Diwaliritual ausführen darf“, antwortete Aastha stolz. Als die Frage geklärt war, wünschte Sahi ihrer Freundin noch viel Glück und dann trafen sich alle in dem Raum, doch bevor alle rein gingen, verteilte eine Mutter Kräutermedizin. Sahi flüsterte zu Aastha: „Das schmeckt ja scheußlich.“ „Ja, das stimmt, aber es sorgt dafür, dass wir keine Bauchschmerzen bekommen“, antwortete sie. Im Gebetsraum durften die Kinder dann Süßigkeiten essen so viel sie wollten und Aastha führte das Ritual mit Feuer und Rauch durch. Dann wurden noch alle Kinder gesegnet und bekamen Geschenke von einer Kinderdorf-Mutter. Danach verließen alle den Raum und gingen auf den großen Vorhof. „Wie hat dir das Diwaliritual gefallen?“, fragte Aastha ihre Freundin. „Es war sehr schön. Aber was machen wir jetzt?“, antwortete Sahi. „Als nächstes bilden wir aus Kerzen einen Lichterteppich und wir bekommen Wunderkerzen. Außerdem wird dort die große Öllampe angezündet“, erklärte Aastha. „Und was bedeuten die ganzen Lichter?“, fragte Sahi nach. „Die vielen Lichter und Kerzen bedeuten sozusagen die Erneuerung des Lebens“, sagte Aastha. Als alle restlichen Fragen geklärt waren, schaute Sahi gespannt den kleinen leuchtenden Kerzen zu, wie sie im Wind flackerten. Langsam wurde es unruhig unter den Kindern, weil alle schon wussten, dass sie bald anfangen durften zu knallen. Aber bevor die Kinder richtig loslegen konnten, wurden noch die Toten, die vor Kurzem gestorben waren, gesegnet. Sahi war nun schon ein bisschen aufgeregt und auch ängstlich, dass etwas bei der Knallerei passieren könnte. Sahi fragte Aastha schüchtern: „Hast du keine Angst vor dem Feuer?“ Doch diese war schon so abgelenkt, dass sie die Frage gar nicht mehr beantworten konnte. Nun waren alle Kinder auf dem großen Hof versammelt und warteten darauf, endlich Feuerwerke und Böller zu bekommen. Sahi hingegen hielt sich ein wenig zurück und stand etwas abseits von dem ganzen Durcheinander. Da kam Daka und fragte besorgt: „Was ist denn los, Sahi? Geht es dir nicht gut?“ „Nein, alles gut aber…“, Sahi stockte, dann erzählte sie weiter: „Ich habe Angst vor Feuer.“ „Das ist doch nicht schlimm, aber gibt es denn einen Grund, warum du davor Angst hast?“, wollte sie wissen. „Nein, eigentlich nicht, ich weiß auch nicht, woher das kommt.“, antwortete Sahi. „Du musst ja nicht so nah rangehen, ich habe auch ein bisschen Angst vor Feuer. Von hier hinten kann man das bunte Spektakel genauso gut anschauen wie von ganz vorne“, sprach Daka einfühlsam. Sahi konnte nun wieder lachen und genoss das wunderschöne Feuerwerk.
Auch Aastha war nicht böse auf sie, dass sie nicht mit ihr ganz vorne stand. Sahi war glücklich, dass sie in diesem Kinderdorf untergebracht war. Es wurde noch bis spät in die Nacht weiter geknallt und gefeiert. Als die Kinder am nächsten Morgen aufstanden, waren sie noch immer sehr erschöpft, aber das machte ihnen nichts aus, weil sie ein wunderschönes Diwali-Fest gefeiert hatten. Nach dem Frühstück mussten aber alle helfen, den Müll aufzusammeln und den Dreck, der am Festtag entstanden ist, aufzuputzen. Sahi half gerne und auch die anderen Kinder fanden es nicht schlimm, sauber zu machen. Nachdem alles wieder aufgeräumt war, gingen Sahi und Aastha auf die große Wiese, um sich in die Sonne zu legen und einfach nur zu entspannen. „Weißt du Aastha, als ich meine Eltern verloren hatte, wusste ich nicht mehr, was ich tun sollte, also bin ich von einem Ort zum anderen gezogen, bis an diesem einen Tag deine Pflegemutter vorbeikam und mich mitgenommen hat. Ich war so glücklich, dass ich hierherkommen durfte. Jetzt kann ich endlich neu anfangen und die Vergangenheit hinter mir lassen“, schwärmte Sahi. „Ja, mir ging es genauso und ich bin so froh, dass es solche Hilfsorganisationen gibt“, antwortete Aastha.
Die Mädchen unterhielten sich noch den ganzen Tag und waren beide überglücklich, dass sie im Kinderdorf in Chennai gelandet sind.

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